Unser Hof

Unser Hof in Kallnach, das Hübeli, wurde Mitte des

18. Jahrhunderts erbaut.

 

Aktuell bietet der Hof 9 Personen, 2 Schafen, 2 Minischweinen, 2 Pferden sowie 40 (Pensions-) Kühen einen Raum zum Leben.

 

Auf 30 Hektaren landwirtschaftlicher Nutzfläche gedeihen diverse Ackerkulturen sowie Raufutter für die Tiere.

Wir sind bestrebt, auf unseren Feldern qualitativ hochwertige und v.a. menschliche Nahrungsmittel anzubauen.

 

Nebst grossflächigen Kulturen wie Linsen, Polentamais, Brotweizen, Dinkel und Hafer werden auch kleinflächig Lebensmittel für die Selbstversorgung und die Direktvermarktung angebaut. So kann man bei uns seit einigen Jahren während dem Sommer Tomaten ernten kommen.

Wir bieten zudem Linsen, Maisgriess, Maisteigwaren, Melonen und z.T. Dörrfrüchte aus eigenem Anbau sowie Hafermilch aus eigener Produktion zum Verkauf an.

Auch experimentieren wir immer gerne mit seltenen, interessanten Kulturen und vermehren jedes Jahr Saatgut von mindestens einer neuen Speisemais-Sorte. Denn die oft (mehr-) farbigen Speisemaiskolben passen gut zu unserer Philosophie – wir wollen eine schöne und vielfältige Landwirtschaft betreiben.

Und wir möchten nicht, dass Kalorien verschwendet werden, weil diese zuerst den Umweg über Tiermägen machen, ehe nur noch ein Teil davon auf den Tellern der Menschen landet. So haben wir auf dem Hübeli den Futtermais durch Polentamais ersetzt, das Fleisch durch Linsen, die Gerste durch Speisehafer und die Kuhmilch durch Hafermilch.

Künftig wollen wir noch mehr Vitamine "produzieren". So ist unser neustes Projekt die Lancierung eines bioveganen Hübeli-Gemüseabos – einem Biogemüseabo also, das bei der Düngung der Gemüsekulturen ohne Dünger aus Schlachtabfällen oder von Nutztieren auskommt.

 

Seit dem 1. Januar 2018 bauen wir alle Kulturen nach biologischen Richtlinien an und gelten seit dem 1. Januar 2020 als vollwertiger Biohof. 

 

Entgegen dem angestrebten Strukturwandel (immer weniger, dafür immer grössere und "effizientere" Höfe) in der Landwirtschaftspolitik versuchen wir eine bäuerliche Landwirtschaft zu leben, die nicht auf Kosten der Natur, der Tiere oder der Mitmenschen / Angestellten wirtschaftet.

Vom Milchviehbetrieb zum bioveganen Hof

Es war einmal ein ziemlich untypischer Bauernsohn. Nicht nur, dass Urs eher der Denker als ein Praktiker war, auch interessierten Urs die Tiere des Hofes viel mehr als die Maschinen. So richtig konnte Urs sich auch nie wirklich vorstellen, einmal den elterlichen Bauernhof zu übernehmen. Dieser wurde von einem Urahn mit dem Nachnamen Marti 1763 gebaut und seither immer von einem Marti zum anderen Marti weitergegeben. Spätestens als Urs Marti im Jahr 2002 als Gymnasiast vegan wurde, schien klar, dass er diese Tradition nicht weiterführen würde. Tatsächlich arbeitete er dann auch mehrere Jahre als Primarlehrer und zeigte offenkundig nur geringes Interesse an der Landwirtschaft. So staunten seine Eltern nicht schlecht, als Urs 2014 plötzlich verkündete, dass er den elterlichen Hof, das Hübeli in Kallnach übernehmen wollte.

 

Urs hat bis zu seinem 37. Lebensjahr aus Prinzip nie ein Auto besessen. Erst seit der Inbetriebnahme der hofeigenen Photovoltaik-anlage im Sommer 2021 besitzt die Familie nun einen "Göppu" – ein Occasion-Elektroauto. Seit längerem hatte sich Urs mit Themen wie Tierrechte, Nahrungsmittelproduktion und (un-) gleiche Verteilung von Ressourcen auseinandergesetzt und erkannte, dass die Landwirtschaft hochpolitisch ist. Oder anders gesagt: Dass man sich als Landwirt mit allen genannten Themen praktisch auseinandersetzen und etwas bewirken kann. So begann er zusammen mit Leandra, seiner ebenfalls vegan lebenden Frau, 2016 auf dem elterlichen Hof mit dem Aufbau der Tierarche Seeland, einem Lebenshof für ehemalige Nutztiere. Ziel der Tierarche Seeland war und ist es, v.a. Rindern ein langes Leben zu ermöglichen, ohne dass diese (weiterhin) einen Nutzen für den Menschen haben müssen. Da Urs' Vater zu diesem Zeitpunkt mit seinen Kühen noch Milchwirtschaft betrieb und bei Milchkühen der Milchfluss ja nicht von heute auf morgen versiegt, war allen klar, dass der Aufbau der Tierarche Seeland ein Prozess sein würde. So nahm man bereits erste externe Rinder, sogenannte Pensionsrinder, auf dem Lebenshof auf, während nach und nach eigene ehemalige Milchkühe, deren Kälber und ehemalige Mastrinder in die Tierarche-Herde integriert wurden. Für die eigenen ehemaligen Nutzrinder werden seit 2016 PatInnen gesucht, welche mit ihren Patenschaftszahlungen den Rindern ein langes, stressfreies Leben ermöglichen.

Am 31.12.2017 wurde auf Urs' elterlichem Hof das letzte Mal gemolken. So begann am 01.01.2018 auf dem Hübeli nicht nur die Umstellungsphase hin zu biologischer Landwirtschaft, sondern es endete auch eine Jahrzehnte währende Ära der Milchproduktion.

 

Der Offenheit von Urs' Eltern ist es zu verdanken, dass sich Leandra und Urs nicht nur bezüglich des Aufbaus der Tierarche Seeland, sondern auch anderweitig bereits früh im Hof einbringen konnten. So wurden seit 2017 Linsen und Polentamais auf den Feldern des Hübelis an- und deren Direktvermarktung aufgebaut.

Am 01.01.2019 fand dann die offizielle Hofübergabe statt. Weil es das Ziel von Leandra und Urs war, auf dem Hof nur Ackerkulturen für den direkten menschlichen Verzehr anzubauen, wurde der Anbau von Futtergerste und Futtermais eingestellt. Dafür wurde Speisehafer neu in die Fruchtfolge integriert.
Von einem bioveganen Hof kann (muss aber nicht) gesprochen werden, da die Tiere des Biohofes Hübeli nicht genutzt werden. Selbstverständlich wird aber der anfallende Dung der Tiere (Mist und Gülle) - als einziger Dünger überhaupt - im Ackerbau eingesetzt. So verfügt der Hof auch über einen geschlossenen Nährstoff-Kreislauf.