Unser Hof

Unser Hof in Kallnach, das Hübeli, wurde Mitte des

18. Jahrhunderts auf einer stillgelegten Kiesgrube erbaut.

 

Aktuell bietet der Hof 8 Personen, 2 Schafen, 2 Minischweinen, 2 Pferden, 2 Hunden sowie rund 37 (Pensions-) Kühen einen Raum zum Leben.

 

Auf 29 Hektaren landwirtschaftlicher Nutzfläche gedeihen diverse Ackerkulturen sowie Raufutter für die Tiere.

Wir sind bestrebt, auf unseren Feldern qualitativ hochwertige und v.a. menschliche Nahrungsmittel anzubauen.

 

Nebst grossflächigen Kulturen wie etwa Brotweizen und Hafer werden auch kleinflächig Lebensmittel für die Selbstversorgung und die Direktvermarktung angebaut. So kann man bei uns seit einigen Jahren während dem Sommer Tomaten ernten kommen. Wir bieten zudem Linsen, Polenta, Kürbisse, Bohnen und Süssmais aus eigenem Anbau zum Verkauf an.

Auch experimentieren wir immer wieder mit neuen, interessanten Kulturen: Buchweizen, Soja, Hirse u.a.

 

Seit dem 1. Januar 2018 bauen wir alle Kulturen nach biologischen Richtlinien an und gelten seit dem 1. Januar 2020 als vollwertiger Biohof. 

 

Entgegen dem angestrebten Strukturwandel (immer weniger, dafür immer grössere und "effizientere" Höfe) in der Landwirtschaftspolitik, versuchen wir eine bäuerliche Landwirtschaft zu leben, die nicht auf Kosten der Natur, der Tiere oder der Mitmenschen / Angestellten wirtschaftet.

Vom Milchviehbetrieb zum Lebenshof

Es war einmal ein ziemlich untypischer Bauernsohn. Nicht nur, dass Urs eher der Denker als ein Praktiker war, auch interessierten Urs die Tiere des Hofes viel mehr als die Maschinen. So richtig konnte Urs sich auch nie wirklich vorstellen, einmal den elterlichen Bauernhof zu übernehmen. Dieser wurde von einem Urahn mit dem Nachnamen Marti 1763 gebaut und seither immer von einem Marti zum anderen Marti weitergegeben. Spätestens als Urs Marti, im Jahr 2002 als Gymnasiast vegan wurde, schien klar, dass er diese Tradition nicht weiterführen würde. Tatsächlich arbeitete er dann auch mehrere Jahre als Primarlehrer und zeigte offenkundig nur geringes Interesse an der Landwirtschaft. So staunten seine Eltern nicht schlecht, als Urs 2014 plötzlich verkündete, dass er den elterlichen Hof, das Hübeli in Kallnach übernehmen wollte.

 

Urs hat bis zum heutigen Tag aus Prinzip noch nie ein Auto besessen. Seit längerem hatte er sich mit Themen wie Tierrechte, Nahrungsmittelproduktion und (un-) gleiche Verteilung von Ressourcen auseinandergesetzt und erkannte, dass die Landwirtschaft hochpolitisch ist. Oder anders gesagt: Dass man sich als Landwirt mit allen genannten Themen praktisch auseinandersetzen und etwas bewirken kann.So begann er zusammen mit Leandra, seiner ebenfalls vegan lebenden Frau, 2016 auf dem elterlichen Hof mit dem Aufbau der Tierarche Seeland, einem Lebenshof für ehemalige Nutztiere. Ziel der Tierarche Seeland war und ist es, v.a. Rindern ein langes Leben zu ermöglichen, ohne dass diese (weiterhin) einen Nutzen für den Menschen haben müssen. Da sein Vater zu diesem Zeitpunkt mit seinen Kühen noch Milchwirtschaft betrieb und bei Milchkühen der Milchfluss ja nicht von heute auf morgen versiegt, war uns allen klar, dass der Aufbau der Tierarche Seeland ein Prozess sein würde. So nahmen wir bereits erste externe Rinder, sogenannte Pensionsrinder, auf dem Lebenshof auf, während nach und nach eigene ehemalige Milchkühe, deren Kälber und ehemalige Mastrinder in die Tierarche-Herde integriert wurden. Für die eigenen ehemaligen Nutzrinder suchen wir seit 2016 PatInnen, welche mit ihren Patenschaftszahlungen den Rindern ein langes, stressfreies Leben ermöglichen.

Am 31.12.2017 wurde auf dem elterlichen Hof das letzte Mal gemolken. So begann am 01.01.2018 auf dem Hübeli nicht nur die Umstellungsphase hin zu biologischer Landwirtschaft, sondern es endete auch eine Jahrzehnte währende Ära der Milchproduktion.

 

Der Offenheit von Urs' Eltern ist es zu verdanken, dass wir uns nicht nur bezüglich des Aufbaus der Tierarche Seeland, sondern auch anderweitig bereits früh im Hof einbringen konnten. So wurden seit 2017 Linsen und Polentamais auf den Feldern des Hübelis an- und deren Direktvermarktung aufgebaut.

Am 01.01.2019 fand dann die offizielle Hofübergabe statt. Weil es unser Ziel war, auf dem Hof nur Ackerkulturen für den direkten menschlichen Verzehr anzubauen, wurde der Anbau von Futtergerste und Futtermais eingestellt. Dafür wurde Speisehafer neu in die Fruchtfolge integriert.